Nur Mut!

22.01.2017
Barbara Graf-Detert
Handschellen Gefangene des Systems oder doch selbstbestimmt?

Gefangene des Systems oder doch selbstbestimmt?

In meiner Beratung oder im Coaching höre ich immer wieder Sätze wie ‚Ich kann doch nicht anders. Ich muss meine Jahresziele erfüllen. Das wird schließlich von mir erwartet.’ oder ‚Letztendlich habe ich die Verantwortung für das was in meiner Abteilung passiert. Und da muss ich meinen Mitarbeitern schon sagen wo’s lang geht!’. Besonders im mittleren Management sind diese Aussagen weit verbreitet, befinden sich die Führungskräfte dort auch in der klassischen Sandwich-Position. Von oben werden oft schwer oder manchmal auch unerreichbare Ziele vorgegeben. Auf der anderen Seite sind dann die Mitarbeiter, die nicht so wollen wie man es sich als Manager gern vorstellt. Oder die auch gar nicht verstehen, warum manche Entscheidungen so und nicht anders getroffen werden müssen. Also Druck von ‚oben’ und Unverständnis von ‚unten’.

Aber ist das wirklich so? Sind wir Gefangene des Systems oder doch selbstbestimmt?

In vielen Unternehmen gilt heute noch die klassische Organisationsstruktur, die ihren Ursprung im Taylorismus hat.  
Als Taylorismus bezeichnet man das nach dem US-Amerikaner Frederick Winslow Taylor (1856–1915) benannte Prinzip einer vertikalen Arbeitsteilung sprich der Trennung von Hand- und Kopfarbeit und der Standardisierung von Arbeitsprozessen. Zwar haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Westeuropa in Richtung Demokratie und Mitbestimmung verändert. Jedoch herrscht Taylors Geist immer noch in unseren Köpfen und betrieblichen Prozessen.

Wie sehr, können wir an folgenden Überzeugungen festmachen, die wir heute noch in einer Vielzahl von Unternehmen antreffen:

  • Mitarbeiter lassen sich hauptsächlich durch materielle Anreize zur Arbeit motivieren.
  • Sie sind nicht fähig und auch nicht bereit, ihre Arbeit selbst zu planen und nach rationellen Gesichtspunkten zu verrichten.
  • Mitarbeiter drücken sich vor der Arbeit und halten die eigene Leistung zurück.
  • Mitarbeiter lassen sich durch Vorgesetzte motivieren und kontrollieren.
  • Mitarbeiter halten ihre privaten Interessen und die Interessen des Unternehmens auseinander sehen ihre Gefühle am Arbeitsplatz als Privatsache.

Und genau diese Glaubenssätze sind es, die im täglichen Führungsalltag zu Spannungen und Frust führen. Auf der einen Seite strebt der Mensch nach Autonomie und Selbstverwirklichung, sucht den Sinn in seinem Leben und seiner Arbeit und will als ganzheitliches Wesen gesehen werden. Auf der anderen Seite herrscht in der betrieblichen Organisation aber oft noch ein längst überkommenes Menschenbild vor.

Um dem vermeintlichen Dilemma zu begegnen erfordert es Mut und Vertrauen. Mut, Dinge einmal anders zu machen bzw. Prozesse zu hinterfragen und Vertrauen in sich selbst und die Mitarbeiter. Im Coaching gehe ich mit meinen Klienten hier in die Selbstreflex
ion. Welches Menschenbild habe ich? Was ist mir im Miteinander wichtig? Welche Werte und innere Haltung vertrete ich? Wie möchte ich behandelt werden? Je nachdem, wie ich „den Menschen“ sehe, werde ich mich ihm gegenüber verhalten.

Barbara Graf-Detert war viele Jahre operativ als HR Generalistin in er Halbleiter- und Automobilbranche tätig und hat die letzten 10 Jahre in Leitungsfunktion die Geschäftsleitung strategisch beraten und unterstützt. Als Expertin für Unternehmenskultur und werteorientierte Führung geht es ihr um die Menschen im Unternehmen. Denn die Mitarbeiter sind der zentrale Erfolgsfaktor und gleichzeitig eine knappe Ressource. Die Mitarbeiter mitzunehmen, einzubinden und wertzuschätzen, das ist es, was sie in ihren Projekten antreibt. Jeder Einzelne muss voll wirksam sein können, um den Unternehmenserfolg zukunftsfähig zu gestalten.



Autor: Barbara Graf-Detert


Kategorie: Branchennews

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