Neustart in der Elektronikbranche – Chancen bei einem Berufswechsel

23.03.2017
Laura Baum
Bild 1 Die Elektronikbranche bietet mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Arbeitsfeldern umfangreiche Möglichkeiten für eine berufliche Neuorientierung. Bild: Fotolia © KazandsevAlexander

Der Bereich der Elektronik und Elektrotechnik zeigt sich als zukunftsträchtige Branche und bietet mit den verschiedensten Berufsbildern attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten. Auch viele Neueinsteiger entscheiden sich jährlich für eine Ausbildung in diesem Sektor. Wer sich beruflich neu orientieren möchte oder eine neue Herausforderung sucht, könnte hier fündig werden. Auf was es bei der Jobwahl und beim Berufswechsel ankommt, haben wir hier zusammengefasst.

Zahlreiche Innovationen und neue Techniken sorgen für eine stete Weiterentwicklung der Branche. Bestehende Berufsbilder verändern sich, aktuelle und auf den Bedarf Zugeschnittene kommen dazu. Durch die zunehmende Automatisierung werden vor allem in der Industrie viele neue Ingenieure gebraucht. Insgesamt ist es bei der Aus- und Weiterbildung in Zukunft möglich, sich noch mehr zu spezialisieren. Auch für Quereinsteiger aus anderen Disziplinen wie beispielsweise Techniker, Wirtschaftsingenieure, Physiker oder Mathematiker bieten sich interessante Möglichkeiten, beruflich voranzukommen und ihr bisheriges Wissen mit einzubringen. Im Folgenden werden die Zukunftsaussichten in der Branche kurz beleuchtet und aufgezeigt, was bei einem Wechsel aus einem anderen Berufszweig wichtig ist. 

Elektroindustrie als Innovationsmotor 

Laut des Branchenreports des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) konnte die Elektroindustrie seit 2012 ein stetiges Wachstum verbuchen. Von allen untersuchten Wirtschaftsfeldern konnte hier zudem die höchste Innovationsintensität (rund zehn Prozent) aufgewiesen werden. Werden die Produktneuheiten von 21 verschiedenen Sektoren im Jahr 2015 betrachtet, war die Elektroindustrie mit einem Umsatzanteil von 33 Prozent daran beteiligt. Nur im Bereich Fahrzeugbau waren noch mehr innovative Produkte für den Branchenumsatz verantwortlich. 

Dank steter und systematischer Investitionen in Forschung und experimentelle Entwicklung konnten zahlreiche Marktneuheiten und Prozessinnovationen entwickelt und auch die Qualitätsstandards noch weiter verbessert werden. Obwohl die Massenproduktion elektronischer Geräte und Bauteile in den meisten Fällen im asiatischen Raum stattfindet, kann Deutschland mit seiner großen Expertise und dem technischen Know-How punkten. Dafür sind wir mit diesem Wirtschaftszweig immer noch weltweit gefragt. Die gesamte positive Entwicklung spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt der Branche wieder. 

Elektroindustrie als Jobgarant

Im DEKRA Arbeitsmarkt-Report von 2016 landeten verschiedene Berufe des Sektors auf dem ersten Platz der am häufigsten gesuchten Berufe in Deutschland: Für Elektriker, Elektroniker und Elektroinstallateure waren dabei die meisten offenen Stellenangebote zu verzeichnen. Auch wer ein Studium der Elektrotechnik oder Informatik absolviert hat, konnte 2016 jeweils aus über 4.800 Ausschreibungen nur im Bereich Embedded Systems auswählen. Elektro- und Verfahrensingenieure gehörten damit ebenfalls zu den am häufigsten gesuchten Fachkräften unter den Ingenieursdisziplinen.   



Durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung mit elektronischen Systemen in allen möglichen Lebensbereichen bleiben diese Berufsfelder auch in der Zukunft sehr gefragt. Gerade das hohe Maß an unterschiedlichen Möglichkeiten, sich auf einen Bereich zu spezialisieren, macht einen Einstieg in diese Branche so interessant. 

Notwendigkeit einer beruflichen Neuorientierung

Für eine berufliche Neuorientierung gibt es die verschiedensten Gründe. Zum einen sind es oft schlechte Aussichten auf einen Arbeitsplatz im ursprünglichen Tätigkeitsfeld, die jemanden zu einem Berufswechsel bewegen. Hier zeigt sich die Branche wie bereits erläutert als sehr vielversprechend und mit guten Aussichten auch in der Zukunft. Überschneidungen bestehen zwischen elektronischen oder elektrotechnischen Berufen und dem Bereich der Kommunikationstechnik, der Automatisierungstechnik und dem IT-Bereich. Hier ist eine Weiterqualifikation vielversprechend. 

Nicht immer ist das Erlernen neuer Fähigkeiten und Kenntnissen einfach. Vor allem mit zunehmendem Alter fällt es meist schwieriger, sich neues Wissen anzueignen. Oftmals ist ein Berufswechsel mit viel Disziplin, Eigeninitiative, aber auch Neugierde und Offenheit für Neues verbunden.  

Eine weitere Möglichkeit für die Notwendigkeit einer Umschulung oder Weiterbildung kann eine Berufsunfähigkeit im bisherigen Bereich darstellen. In manchen Fällen machen Arbeitsunfälle, verschiedene Erkrankungen oder plötzlich auftretende Unverträglichkeiten eine Erwerbstätigkeit in einem bestimmten Beruf nicht mehr möglich. 

Wenn in gewissem Maße grundsätzlich noch die Möglichkeit besteht eine Arbeit zu verrichten, stellt eine berufliche Neuorientierung eine interessante Alternative dar. Denn in den meisten Fällen bleibt sonst nur die finanzielle Absicherung durch eine Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrente. Für alle, die das reguläre Rentenalter noch nicht erreicht haben, springt diese Absicherung ein, um den Lebensunterhalt sicherzustellen, wenn die Tätigkeit nicht mehr, oder nur noch in eingeschränktem Maße ausgeübt werden kann. Neben der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente kann auch eine private Vorsorge (Erwerbsunfähigkeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung) den entsprechenden Lohnausfall auffangen.


Eine körperliche Beeinträchtigung muss nicht das Karriereaus bedeuten. Durch eine Umschulung oder Weiterbildung ergeben sich oft neue Möglichkeiten in anderen Berufsfeldern.

Bild: Fotolia © WavebreakMediaMicro


Je nachdem wie die individuellen Umstände liegen, muss eine solche Beeinträchtigung jedoch nicht zwangsläufig das Karriereende bedeuten. Es ist zwar mit einem gewissen persönlichen Engagement und einer großen Lernbereitschaft verbunden, dennoch kann die Aus- oder Weiterbildung für eine ganz neue Tätigkeit oftmals die Arbeitsfähigkeit wiederherstellen. 

Verknüpfung unterschiedlicher Berufsfelder

Die interdisziplinäre Verknüpfung von Berufsfeldern, die bisher kaum gemeinsame Berührungspunkte aufwiesen, nimmt stetig zu. Im verarbeitenden und produzierenden Gewerbe steigt der Anteil der Automatisierung in rasantem Tempo. Bleiben dabei verschiedene traditionelle Berufsbilder auf der Strecke, bieten sich in gleichem Maße neue Möglichkeiten, die sich auch durch Weiterbildungsmaßnahmen oder eine berufliche Umorientierung erschließen lassen.  

„Die Anforderungen an die Jobs werden sehr viel höher, verlangen etwa übergreifendes Prozess-Know-How. Dadurch werden sie aber auch interessanter, mit variableren, weniger starren Lebensläufen“, so Michael Cigelski, der Vorstandsvorsitzende des Elektronikkomponentenherstellers Harting, auf die Frage nach den Auswirkungen des digitalen Wandels in der Branche. Dabei sei es wichtig, Schulungen und Weiterbildung „individuell und flexibel“ für jeden einzelnen anzupassen. 

Weiterbildung ist Pflicht

Wer aus einem anderen Bereich in die Elektronikbranche wechseln will, muss sich intensiv auf das neue Aufgabengebiet vorbereiten und ausreichend Fachwissen erwerben. Dabei ist es möglich, eine Umschulung zu absolvieren oder sich die notwendigen Kenntnisse bei einem Lehrgang oder Aufbaustudium anzueignen. Ein umfangreiches Grundlagenwissen ist in der Regel Pflicht, um überhaupt Fuß fassen zu können. Dazu kommt die Qualifikation im jeweiligen Spezialbereich. 

Aufgrund der starken Zergliederung hat deshalb vor allem ein Berufswechsel oder eine Umorientierung innerhalb der Branche Aussicht auf Erfolg. Die gute Nachricht für Quereinsteiger: In rund einem Drittel der Stellenausschreibungen werden keine konkreten Angaben zu einer geforderten Berufserfahrung aufgeführt. Wer bereits als Techniker in einer anderen Branche gearbeitet hat, kann hier von der bisherigen Berufserfahrung profitieren, muss sich fachlich jedoch in jedem Fall für das neue Berufsfeld weiterqualifizieren.

Dabei sind die Bildungsmöglichkeiten so vielfältig wie die unterschiedlichen Tätigkeiten in der Elektronikbranche. Mechatroniker oder Medizintechniker könnten sich etwa noch weiter in die Richtung Elektromechanik und Elektromaschinen ausbilden lassen. Für Elektroinstallateure besteht die Möglichkeit einer höheren Qualifikation im Bereich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Im Sektor der Telekommunikations- und Nachrichtentechnik bietet hingegen eine Weiterbildung im IT- und Informatikbereich neue Berufschancen. Das Thema Datensicherheit gewinnt hier zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus werden immer häufiger auch verschiedene Fremdsprachenkenntnisse wichtig. 

Elektroindustrie als neue Chance 

Im Gegensatz zu anderen Sektoren profitiert die Elektronikbranche in vielerlei Hinsicht von dem umfangreichen Wandel. Wer sich auf die zunehmende Digitalisierung und neue Technologien einlässt, hat gute Chancen, einen sicheren Arbeitsplatz zu finden. Viele Arbeitsplätze und Berufsbilder sind hier sehr modern und können beispielsweise auch mit gewissen körperlichen Einschränkungen besetzt und ausgeübt werden. 

Wer sich für eine zweite Karriere in der Elektronikbranche interessiert, sollte sich zunächst umfassend über die Beschäftigungsmöglichkeiten informieren. Die Agentur für Arbeit, aber auch die regionalen Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern stehen dafür als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. 

Nicht nur bei der Wahl der passenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahme, auch bei der späteren Entscheidung für ein Unternehmen ist es wichtig, die verschiedenen Möglichkeiten genau zu analysieren und abzuwägen. Dazu sollten die individuellen Fähigkeiten klar definiert werden und festgelegt werden, wo die persönlichen Stärken und Interessen liegen. So kann die beste Alternative herausgefunden und der Grundstein für eine positive weitere berufliche Entwicklung gelegt werden.


Mit der Schaffung von verschiedenen neuen Berufsbildern ist auf den Wandel der Branche und neue Herausforderungen für die dort Tätigen reagiert worden.

Bild: Fotolia © industrieblick


Wer sich nicht sicher ist, kann auch gemeinsam mit einem Jobberater eine Strategie aufbauen, welche Arbeitsmöglichkeiten in Frage kommen und wie am besten eine Karriere im neuen Berufsfeld gestartet werden kann.  

Vorteile bei der Bewerbung nutzen

Mit der passenden Weiterbildung ist es dann möglich, sich um einen neuen Job in der Elektronikbranche zu bewerben. Dabei sollte die bisherige berufliche Laufbahn nicht unter den Teppich gekehrt oder in einem negativen Licht dargestellt werden. Vielmehr stellen Erfahrungen in anderen Tätigkeitsfeldern oftmals einen Vorteil dar. Kenntnisse und Fähigkeiten aus branchenfremden Disziplinen können teilweise auf die neue Arbeit übertragen werden. 

Zudem zeigt die Bereitschaft, sich auf eine ganz neue Herausforderung einzulassen ein großes Maß an Flexibilität und zeugt von Lernbereitschaft. Eigenschaften, die von Personalreferenten gerne gesehen werden. Viele moderne Betriebe wissen um die Vorteile, die eine Fachkraft mit Wissen aus anderen Bereichen in das Unternehmen mit einbringen kann. Eine andere Betrachtungsweise oder ein innovatives Herangehen kann zu ganz neuen Lösungen führen.  

Interdisziplinarität wird durch die wachsende Verknüpfung der unterschiedlichsten Tätigkeitsfelder immer wichtiger. Wer zudem die Fähigkeit besitzt, sich rasch in neue Aufgaben und komplexe Strukturen hineinzuversetzen, bringt die besten Voraussetzungen mit, bei einem Berufswechsel auch in der Elektronikbranche schnell Fuß zu fassen. Lebenslanges Lernen ist in diesem Sektor, der sich permanent an die sich verändernde Technik anpasst, ein Muss. 



Autor: Laura Baum

Der Artikel stammt von Laura Baum. Sie absolvierte zunächst verschiedene Praktika im Bereich Elektronik und Verfahrenstechnik. Nach ihrem Studium der Medienwissenschaft ist sie heute als freie Redakteurin tätig.


Kategorie: Bewerbungsphase

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