Elektrotechniker im Öffentlichen Dienst

02.05.2017
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Die Elektronikbranche gehört dank der Geschwindigkeit, mit der sich Technologie heutzutage weiterentwickelt, zu den boomenden Wirtschaftszweigen. Noch dazu verspricht sie – nicht zuletzt eben wegen genau dieser Entwicklung – ein beruhigendes Maß an Zukunftsfähigkeit. Jobs in der Elektronik- und IT-Branche sind entsprechend begehrt, wozu auch die im Vergleich recht hohen Einstiegsgehälter für Berufsanfänger beitragen. Doch nicht nur die freie Wirtschaft hat einen gesteigerten Bedarf an gut ausgebildeten Technikern – auch im Öffentlichen Dienst warten anspruchsvolle Aufgaben.

Vielfalt der Aufgabenfelder

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker erlaubt eine enorme Bandbreite von Spezialisierungsmöglichkeiten und nicht weniger heterogen sind letztlich auch die Einsatzfelder. Zu den beliebtesten Fachrichtungen gehören

  • Elektrotechnik,
  • Bautechnik,
  • Informationstechnik,
  • Automatisierungstechnik,
  • Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie Gebäudetechnik,
  • Mechatronik,
  • Datenverarbeitungstechnik,
  • Konstruktionstechnik,
  • Kraftfahrzeugtechnik.

Die Liste ließe sich noch deutlich erweitern, dient hier aber in erster Linie dazu, auf die Vielfalt der Möglichkeiten hinzuweisen. Sowohl die freie Wirtschaft als auch der Öffentliche Dienst bieten selbstredend eine wesentlich größere Auswahl unterschiedlichster Fachrichtungen, allerdings mit ebenso unterschiedlicher Gewichtung. Der Öffentliche Dienst hat beispielsweise in den Bereichen Lebensmitteltechnik, Forsttechnik, Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik einen höheren Bedarf als die Wirtschaft.


Die freie Wirtschaft lockt zwar viele Techniker, doch anspruchsvolle Aufgaben bietet auch der Öffentliche Dienst. Bild: Fotolia © industrieblick

Unabhängig vom Einsatzfeld, allerdings abhängig von Größe und Struktur der jeweiligen kommunalen Verwaltung, in der die Techniker angestellt sind, gestalten sich die damit verbundenen Aufgaben. Dass Elektrotechniker dementsprechend auch in Kläranlagen oder im Bereich der Entwässerungstechnik (sprich: Kanalisation) zum Einsatz kommen, ist daher nur auf den ersten Blick überraschend. Vielmehr ist die große Bandbreite an Arbeitsanforderungen, Zuständigkeiten und Kooperationsbezügen symptomatisch – und zwar für jedwede Technikerfachrichtung. Zu den schon grundsätzlich vielfältigen Aufgaben treten darüber hinaus Sonderaufgaben hinzu, die zum Teil saisonal beschränkt, zum Teil aber auch über einen Zeitraum von mehreren Jahren angelegt sein können.



Informationstechniker übernehmen im Öffentlichen Dienst vorwiegend, aber nicht ausschließlich, verwaltungsinterne Aufgaben. Bild: Fotolia © Kadmy

Das bedeutet in der Konsequenz viel Abwechslung hinsichtlich der zeitlichen Strukturen und der zu erwartenden Belastungen, seien sie nun physischer oder psychischer Natur. Das geht aber immerhin einher mit gewissen Freiheiten hinsichtlich der zeitlichen wie auch methodischen Gestaltung der Arbeitsausführung. Gleiches gilt für das Verhältnis von Büro- zu Außendienstaktivitäten.

Techniker als organisatorisches Bindeglied

  • den im Öffentlichen Dienst tätigen Ingenieuren und Planern auf der einen und den ausführenden Arbeits- und Fachkräften auf der anderen Seite;
  • den planenden Beamten und dazugehörigen Institutionen und den Bürgern bzw. Kunden;
  • den verschiedenen Fachabteilungen des Öffentlichen Dienstes und zwar auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene.

Die Schwerpunktsetzung zwischen verwaltungsinterner und externer Aufgaben kann dabei von Fachrichtung zu Fachrichtung variieren. Anders als beispielsweise Elektrotechniker und Elektroniker in Diensten eines städtischen Bauhofs, die zwar auch auf dem Gelände des Bauhofs tätig sein können, ansonsten aber vorwiegend mit Wartungs- und Instandhaltungsaufgaben in der jeweiligen Gemeinde beschäftigt sind, fallen IT-Technikern vorwiegend verwaltungsinterne Tätigkeiten zu: Sie gewährleisten EDV-Abläufe, den Datenschutz, die Archivierung von Daten und kümmern sich um die benutzte Hard- und Software. 

Was wiederum nicht heißt, dass die IT-Techniker nicht ebenfalls außerhalb dieses Bereiches arbeiten. Solche Aufgaben sind meist situativ und können vom Vernetzen verschiedener kommunal ansässiger Institutionen untereinander und mit der Stadtverwaltung über eine beratende Tätigkeit bei der Anschaffung technischer Geräte für Schulen bis hin zur Bereitstellung von Terminals für die elektronische Auswertung von Wahlzetteln samt Schulung des Personals reichen.

Anschauliches Beispiel für diese Verquickung verschiedener Tätigkeitsbereiche ist etwa das technische Referendariat des Bundes in der Fachrichtung Maschinen- und Elektrotechnik, das für die Ausbildung von Nachwuchskräften für den höheren technischen Verwaltungsdienst in der staatlichen Verwaltung zuständig ist. Die Länder verfügen ebenfalls über solche Einrichtungen, die Fachrichtungen können jedoch unterschiedlich sein. Der Bund selber bildet in den Bereichen 

  • Hochbau, 
  • Wasserwesen, 
  • Bahnwesen, 
  • Maschinen- und Elektrotechnik in der Verwaltung, 
  • Maschinen- und Elektrotechnik der Wasserstraßen,
  • Luftfahrttechnik und
  • Wehrtechnik

aus. Die Ausbildungsziele sind jedoch immer gleich, dabei geht es um übergreifende Koordinierungsaufgaben, praxisbezogene Verwaltungskenntnisse, unterschiedliche Organisationsformen und selbstverständlich fachbezogene technische Themen. Auf Bundesebene sind zudem Kenntnisse hinsichtlich staatspolitischer, wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Zusammenhänge erforderlich. Auf kommunaler Ebene wird das zwar in sehr viel geringerem Umfang erwartet, dennoch stimmen die grundlegenden Aufgaben überein.

Überschneidung der Zuständigkeiten

Abgesehen von der Verbindungsfunktion zwischen internen und externen Aufgabenbereichen, müssen Techniker im Öffentlichen Dienst generell mit sich überschneidenden Verantwortungsbereichen innerhalb ihres Einsatzfeldes rechnen. Sie übernehmen dementsprechend häufig sowohl Aufgaben ihrer Vorgesetzten als auch der ihnen unterstellten Facharbeiter. 

Der Grund hierfür liegt allerdings weniger in der hierarchischen Ordnung des Öffentlichen Dienstes als vielmehr in der Struktur der Berufsausbildung: Staatlich geprüfte Techniker absolvieren häufig zuerst eine duale Berufsausbildung und müssen vor der Zulassung zur Technikerschule erst ein Jahr der entsprechenden Tätigkeit nachgehen. 

Hieraus leitet sich wiederum die Annahme ab, die eher praktisch orientierte Arbeit in den Außenbereichen, die ansonsten von gewerblichen Mitarbeitern verrichtet wird, läge dann näher. Die Zwischenstellung zwischen diesen beiden Arbeitsebenen erfordert ihrerseits unter anderem fundierte Kenntnisse hinsichtlich der Theorie und Praxis des Zuständigkeitsbereiches und gleichzeitig eine gewisse Frustrationstoleranz – denn die Übernahme von Aufgaben der höheren Qualifikationsebene (nicht zu vergessen Gratifikationsebene) schlägt sich nicht zwingend in der entsprechenden Entlohnung nieder. 

Wohl auch deswegen hält Trend zur Höherqualifizierung nicht nur im Öffentlichen Dienst weiter an, ein akademischer Abschluss erscheint trotz der Gleichstellung von Bachelorabschluss und den berufsbildenden Abschlüssen Techniker und Meister als die langfristig (finanziell) attraktivere Variante. Diese ist zudem durch den inzwischen vielfach leichteren Hochschulzugang für diejenigen, die bereits die berufliche Weiterbildung zum Techniker absolviert haben, eine häufig genutzt Option geworden. 

Karriere im Öffentlichen Dienst: Vor- und Nachteile

Während die freie Wirtschaft als attraktiver Arbeitgeber gilt, muss der Öffentliche Dienst gerade in Technikerkreisen vielfach mit Vorurteilen kämpfen. Diese betreffen vornehmlich die bürokratische Reglementierung der Arbeitsplätze, die geringen Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs und den Mangel hinsichtlich individueller Arrangements bezüglich der Arbeitsumstände. Der wahrscheinlich schwerwiegendste Nachteil, gerade gegenüber der freien Wirtschaft als direktem Konkurrenten um qualifizierte Arbeitskräfte, ist allerdings die Gehaltsfrage, was für Techniker wie Ingenieure im Öffentlichen Dienst gleichermaßen gilt.